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Projekt-Deadline richtig berechnen

Fristversäumnisse sind die häufigste Ursache für den Verlust von Geld und Vertrauen im Business. Eine intuitiv oder nach dem Prinzip „so schnell wie möglich“ angesetzte Deadline erweist sich fast immer als unrealistisch. Eine genaue Kalkulation spart Teamressourcen und schützt die Reputation des Auftragnehmers.

Der Prozess der Berechnung des Projektabschlusstermins setzt sich aus mathematischen, psychologischen und kalenderbezogenen Faktoren zusammen. Wird einer davon ignoriert, bringt das die gesamte Planung durcheinander.

Schritt 1: Zerlegung der Aufgaben

Ein großes Projekt lässt sich nicht adäquat einschätzen. Formulierungen wie „Website entwickeln“ oder „Audit durchführen“ enthalten keine Informationen über das tatsächliche Arbeitsvolumen. Das Projekt muss in kleine, messbare Teile zerlegt werden.

Der Zerlegungsprozess basiert auf dem Prinzip des Projektstrukturplans. Eine Aufgabe gilt als ausreichend kleinteilig, wenn sie folgende Kriterien erfüllt:

Wenn eine Aufgabe eine Woche dauert, muss sie weiter aufgeteilt werden. Ein Schätzfehler bei einer halbtägigen Aufgabe führt zu einer Abweichung von einem halben Tag. Ein Schätzfehler bei einer wöchentlichen Aufgabe kann mehrere Wochen Stillstand kosten.

Schritt 2: Aufwandsschätzung nach der PERT-Methode

Menschen neigen dazu, Zeit zu optimistisch einzuschätzen. Wir planen das ideale Szenario und vergessen dabei Verzögerungen, Ermüdung und externe Faktoren. Die PERT-Methode (Program Evaluation and Review Technique) löst dieses Problem mithilfe einer Dreipunktschätzung.

Für jede Aufgabe werden drei Werte bestimmt: ein optimistischer, ein wahrscheinlichster und ein pessimistischer. Die endgültige Zeit wird nach folgender Formel berechnet:

Erwartete Zeit = (Optimistisch + 4 × Wahrscheinlichstes + Pessimistisch) / 6

Beispielrechnung für den Aufwand einzelner Projektbestandteile:

Aufgabe Optimistisch (Std.) Wahrscheinlichstes (Std.) Pessimistisch (Std.) PERT-Schätzung (Std.)
Markup der Startseite 4 6 12 6,67
Einrichtung des Payment-Gateways 2 4 10 4,67
Texterstellung für den Block „Über uns“ 1 2 5 2,33

Die PERT-Methode verlagert den Fokus vom blinden Glauben an ideale Bedingungen hin zu einer statistisch fundierten Prognose.

Schritt 3: Berücksichtigung von Kalenderrestriktionen und Regionen

Arbeitsstunden sind keine Kalendertage. Wenn ein Projekt X Arbeitsstunden erfordert, bedeutet das nicht, dass die Deadline in Y Kalendertagen erreicht ist. Wochenenden und Feiertage fließen in die Berechnung ein.

Das Problem verschärft sich bei der Arbeit mit internationalen Teams oder Kunden. Verschiedene Länder haben unterschiedliche Arbeitswochen und nationale Feiertage. Der Versuch, die Schnittmenge der Arbeitstage manuell zu berechnen, führt zu kritischen Fehlern.

Zeitzonen „fressen“ ebenfalls Zeit bei asynchroner Kommunikation. Eine Frage, die am Ende des Arbeitstages in New York gestellt wird, wird am Anfang des nächsten Arbeitstages in Berlin gelesen – was dem Warten auf eine Antwort einen ganzen Tag hinzufügt.

Schritt 4: Einplanung von Puffern für Risiken

Das Hofstadtersche Gesetz besagt: Es dauert immer länger als erwartet, selbst wenn man das Hofstadtersche Gesetz berücksichtigt.

Risiken und höhere Gewalt sind ein normaler Teil des Arbeitsprozesses. Bei der Planung werden zwei Pufferebenen unterschieden:

Ein Puffer darf nicht als freie Zeit verstanden werden. Er ist eine Versicherung. Wenn eine Aufgabe vorzeitig abgeschlossen wird, geht der Puffer auf die nächste Aufgabe über. Bei Verzögerungen verhindert der Puffer eine Verschiebung der finalen Deadline.

Schritt 5: Festlegung des finalen Datums

Im letzten Schritt werden alle gesammelten Daten zusammengeführt. Die Gesamtzahl der Arbeitsstunden nach der PERT-Methode wird genommen, in Arbeitstage umgerechnet und der Projektpuffer hinzugefügt. Danach werden Wochenenden und Feiertage vom Kalender abgezogen.

Checkliste zur Freigabe der Deadline:

Eine Deadline ist das Ergebnis präziser Berechnungen und keine intuitive Vermutung. Dekomposition, probabilistische Schätzung und die Berücksichtigung kalenderbezogener Realitäten machen die Planung transparent und vorhersehbar.